Donnerstag, 25. Dezember 2008

Fluchtwege: Floripa - Teil I


Ja ist denn nun schon Weihnachten? Ein Blog sollte ja in der Regel so oft wie möglich aktualisiert werden... Nun, das ist mir nicht wirklich gelungen. Was aber insbesondere daran liegt, dass ich zunächst eine zähe Erkältung durchstehen musste, die sich bis zu einer "Sinusitis" (Stirnhöhlenentzündung) entwickelt hatte.. Danach ich erst einmal in eine neue Wohnung gezogen: ein 400qm-Appartment, welches ich z.Z. mit vier Franzosen, 2 Engländern und einem Deutschen teile. Eigentlich auch noch mit zwei Französinnen, die gerade allerdings in Salvador da Bahia und Fortaleza unterwegs sind. Die andere Wohnung war doch etwas eng und dunkel. Marcos war zwar ein angenehmer Mitbewohner, aber irgendwie hat das doch nicht so richtig gepasst. Außerdem wollte ich ja doch gerne in Copacabana oder Ipanema wohnen, ja und nun wohne ich in Copacabana, gegenüber vom berühmten Copacabana Palace (vor 3 Tagen durfte ich mir das das erste Mal auch von innen anschauen, aber dazu später mehr).
Natürlich kann man sich vorstellen, dass es bei 10 Leuten in einer Wohnung manchmal drunter und drüber geht, und man nicht erwarten kann, das alles immer picobello ist, aber da bin ich ja schon einiges durch meine 6er-WG in Köln gewöhnt.. Aber es gibt auch einige Highlights in der neuen Wohnung: drei Terrassen (eine große Dachterrasse und zwei kleinere Terrassen), zwei Wohnzimmer (eines davon sogar mit Kamin) und zwei Küchen. Heute Abend, denn es ist ja Weihnachten, was ich bei der Hitze hin und wieder vergesse.., steigt bei uns auch das große Weihnachtsessen, zwei Weihnachtsenten brutzeln bereits im Ofen und ich starte gleich mit meinem "german Kartoffelsalad". Naja, und das wirkliche Highlight ist natürlich, dass der Copacabana Beach nur einen Block entfernt, also in etwa 3 Min. zu Fuß erreichbar ist.
Ja, so lässt es sich ganz gut leben, und trotzdem kriege ich in Rio manchmal Fluchtgedanken, so auch vor zehn Tagen, als ich gerade Sina & Daniel, die mich ein paar Tage besucht haben und auch bald noch mal wiederkommen über Silvester, zum Busbahnhof gebracht habe. Da hätte ich gleich mit in den Bus steigen können... Naja, erst mal musste ein kleiner Artikel fertig geschrieben werden, und dann musste ich mir überlegen bzw. recherchieren, ob die Busfahrten nach Santa Catarina (dort, wo die Regenfälle vor Kurzem ganze Häuser und Hänge weggespült haben), überhaupt möglich bzw. irgendwie gefährlich sein könnte. Denn ich hatte schon in Deutschland geplant, meinen guten alten Freund Thiago bei seiner Familie in Florianópolis bzw. auf der Ilha de Santa Caterina zu besuchen. Nach langem Hin und Her habe ich mir schließlich das Ticket gekauft und bin am selben Tag los: 18 Stunden Busfahrt.. juchhu... Aber es hat sich mehr als gelohnt, wie man sehen kann:


Barra da Lagoa (Florianópolis/SC)


Thiago und Natália










Prainha

Leider hatten wir an diesem Tag nicht ganz so viel Glück mit dem Wetter, und mussten daher (leider, leider..) noch mal in die Bar zurückkehren, wo wir bereits vor unserer Strandtour das eine oder andere cervejinha und ein paar Gläschen Ingwer-Cachaça-Schnaps getrunken hatten. Aber es fing dermaßen an zu schütten (Regenzeit eben..), dass uns wirklich nichts anderes übrig blieb:











Dieser Tag bzw. Abend war bislang einer der witzigsten, es gab doch einige Konfusionen, bspw. Thiago, der den Koch der Bar für einen Chilenen hielt (Argentinier), oder unser Versuch, zwei Kanadierinnen zu erklären, dass sie auf keinen Fall nach Fortaleza laufen könnten, das wäre viel zu weit! Wir dachten dabei an Fortaleza/Ceará, ungefähr 3.500 km entfernt im Nordosten, und nicht an die "Festung" auf der Insel. Das Ganze auf portugiesisch, spanisch und englisch...

Samstag, 22. November 2008

Gringas lost in Rio

Praia Vermelha

So, nun habe ich länger nichts von mir hören lassen, was vor allem daran liegt, dass mich seit fast einer Woche eine ganz blöde Erkältung zu Hause hält. Ja, ich habe es geschafft, mir in Brasilien eine Erkältung zuzuziehen. War aber auch nicht besonders schwer, da das Wetter seit ein paar Tagen irgendwie nicht ganz so "Brasilien-mäßig" ist: ca. 20-25 Grad und Regen, meistens fiselliger Nieselregen aber auch wahre Sturzbäche kommen da vom Himmel. Meistens fließt das Wasser dann irgendwann bis über die ziemlich hohen Bordsteinkanten, und sowohl Busse als auch Autos fahren erst mal nicht mehr oder es gibt zumindest ein riesiges Chaos in den sowieso schon ziemlich verstopften Straßen.

Am vergangenen Wochenende (bevor mich die Erkältung kalt erwischt hat) war das Wetter aber dann doch noch ziemlich schön, und ich habe meinen Wunsch, wieder surfen zu gehen, mal beseite gelassen, und mich stattdessen von Marcela, Carlos, Fabiano, und weiteren Brasilianern und Kolumbianern am Strand von Ipanema zu ein paar Runden Beachvolleyball hinreißen lassen. Ich glaube, ich habe schon mindestens seit der Schulzeit kein Volleyball mehr gespielt, und dementsprechend heftig war dann der Muskelkater (3 Tage!). Auch wenn die brasilianischen Beachvolleyballer hier, durchtrainiert und braungebrannt, genau wie man sich das vorstellt, auch dementsprechend arrogant rüberkommen, muss ich doch zugeben, dass das eine wirkliche coole Aktion war, und beim nächsten Mal bin ich auf jeden Fall wieder dabei! Heute musste das jogo (= Spiel) leider ausfallen, einmal wegen des Regens und ich bin immer noch nicht wieder ganz fit. Naja, der Sommer fängt ja erst an (hehe). Hier noch ein paar Strandimpressionen vom letzten Wochenende:



Sonnenuntergang Praia de Ipanema


"Fototapete"


Aber es gab ja noch mehr, als Beachvolleyball und romantische Sonnenuntergänge. Ich hatte ja Besuch von Laura, meiner Studivz-Bekanntschaft. Laura reist 6 Wochen durch Südamerika, und war vier Nächte hier in Rio, und wir haben ein bisschen Sightseeing gemacht. Naja, und das, wo ich selbst erst seit knapp drei Wochen hier bin. Zwar war ich ja vorher schon dreimal hier und habe sozusagen die Touri-Tour schon gemacht, aber vieles war dann doch zu lange her, und wir mussten erst mal den Lonely Planet hervorkramen. Hoch zum "Cristo Redentor" bin ich dann nicht, das Wetter war zu bewölkt, und man sieht dann fast nichts von der Stadt.
Ach ja, Samstagabend waren wir dann in Lapa, der eigentlich jeden Tag hochfrequentierten Ausgehmeile von Rio. Das war dann mal ein richtiger "Gringo-Abend": Laura, Anna-Maria (tagsüber am Beach kennengelernt), und ein Österreicher, von dem weder Laura und ich am nächsten Tag noch den Namen wussten. Ich habe beschlossen, dass er wie ein Tobias aussieht, vielleicht auch Thomas... Naja, jedenfalls sind wir vier Gringos dann erst mal in eine
Chopperia, kurz eine Bier-Kneipe, wobei man sich das nicht besonders urig vorstellen muss. Eher chique, das Bier war auch recht teuer für brasilianische Verhältnisse, etwa 1,- Euro. Nein, das ist hier wirklich teuer! Man unterscheidet hier zwischen cerveja, das ist quasi das richtige "Bier", und wird in der Flasche (neu: die 1 Liter Flasche!!!) serviert. Ein Chopp erinnert mich hingegen immer an unser heimisches Kölsch, wässrig, süffig, man trinkt 5 und merkt nichts vom Alkohol. Na denn Prost. Dass die Deutschen gerne und viel Bier trinken ist natürlich auch in Brasilien bekannt, und dementsprechend zuvorkommend wurden wir auch von unserem Kellner bedient. Leider habe ich kein Foto: vier sonnenverbrannte Deutsche bzw. Österreicher, zwei davon strohblond, inmitten vom Trubel Lapa´s... Später sind wir dann noch weitergezogen, bis wir schließlich bis ca. 2 Uhr morgens auf der Straße Samba getanzt haben. Oder naja, wir haben es zumindest versucht. "Tobias" war auf jeden Fall voll bei der Sache, und hat ungefähr mit allem getanzt, was so um uns herum stand. Auch hier leider leider kein Foto...
Dafür noch diese hier vom Botanischen Garten (
Jardim Botânico), wo wir noch einen Tag vor Laura´s Abreise nach Foz do Iguacu (Wasserfälle an der Grenze zu Argentinien) waren:


Orchidee


Cachoeira (dt. Wasserfall)


Bambus Gigante (urspr. Asien)


Jaca - "Stinkfrucht"

Dienstag, 11. November 2008

Rio - Arraial do Cabo - Rio

Nun bin ich also vor einer Woche zum mittlerweile fünften Mal in Brasilien gelandet - diesmal in Rio de Janeiro, der cidade maravilhosa . Nach einer ziemlich anstrengenden 30-stündigen Anreise, inklusive 11,5-stündigem Aufenthalt am "schönen" Airport von Sao Paulo bzw. im Transit (dort gab es noch nicht einmal einen Zeitungsstand o.ä. ..), bin ich gegen 20h endlich im Hostel "The Mango Tree" in Ipanema angelangt. Nach dem Check-In hab´ ich mir dann noch meinen eigenen Willkommensdrink in Form einer kleinen cervejinha (Bierchen; ja, das Bier ist in Brasilien weiblich!) in einer kleinen Bar ums Eck gegönnt. Dabei bin ich mit zwei netten Brasilianerinnen mittleren Alters ins Gespräch gekommen, also mit zwei echten cariocas (so nennt man die Einwohner von Rio) und auch eine Gruppe capoeiristas kennengelernt.

Gleich am nächsten Tag (Mittwoch) habe ich dann auch schon ein Zimmer in einer WG am Strand von Botafogo gefunden. Hatte ich gar nicht erwartet, dass das so schnell klappt! Zwar hatte ich davon geträumt, einmal in Ipanema zu wohnen, aber da sowohl Mietpreise, als auch die sonstigen Kosten dort erheblich höher sind, als in Botafogo, habe ich mich dann recht schnell für das Zimmer entschieden. Das bairro (Viertel) ist aber auch super, und zählt zu den ältesten der Stadt. Hier gibt es z.B. sechs Kinos, darunter auch ein paar kleinere (die es bei uns wohl bald nicht mehr geben wird). Außerdem gibt es in Botafogo einige nette kleine Bars und Restaurants, und wenn ich aus der Haustür rauskomme, fällt mein Blick gleich auf den Strand von Botafogo und den Zuckerhut:


Ausblick vom Dach des Botafogo Praia Shopping

Glücklicherweise hatte ich gleich am ersten Wochenende die Gelegenheit, den Zuckerhut und die quirlige, zum Teil recht überfüllte, wuselige Metropole hinter mir zu lassen, um mit einer bunt gemischten "Gringo-Truppe", bestehend aus zwei Kolumbianerinnen und einem Kolumbianer, einer Französin, einer Tschechin, einer Deutschen und immerhin einem "Quoten-Brasilianer", an den Strand von Arraial do Cabo zu fahren. Dafür musste ich mich trotz Jetlags um 3.30h aus dem Bett quälen, um die etwa 3-stündige Busfahrt Richtung Arraial anzutreten. Aber es hat sich gelohnt, as you can see here right now:


Praia de Forno (Arraial do Cabo/RJ)


Auf diesem Foto bin ich noch so "weiß wie mein Rock". Am Ende des Tages konnte ich fast mit der Farbe meines Shirts mithalten....

endlich "wirklich angekommen"...


Erst den Hügel rauf, und dann auf der anderen Seite wieder runter...


In den vergangenen acht Jahren habe ich ja schon so einige beautiful beaches in Brasilien gesehen, aber dieser hier hat sicherlich einen Platz unter den Top Ten verdient:

Praia de Forno (Arraial do Cabo/RJ)




weiße Füße, weißer Sand....


links Frankreich, rechts Brasilien...


Sonnenbrand, und trotzdem glücklich.




"Froschmaul"


Unser Ausflugsboot: "Schwuler" Look, dafür aber ganz für uns allein.


Sandboarding


Samba tanzen, und Papa Léguas am Steuer